Wenn der Schlaf nicht zurückkehrt – meine Erfahrungen nach der Hormontherapie
Schlaf ist wichtig, das hören wir immer wieder. Aber was, wenn die Medikamente gegen Endometriose genau diesen Schlaf negativ beeinflussen?
Bei mir haben die Hormontherapien leider einen nachhaltigen Einfluss auf meinen Schlaf gehabt – und auch zwei Jahre nach dem Absetzen der Hormone ist er noch immer nicht wie früher. In dieser Zeit habe ich jedoch viel ausprobiert und möchte hier meine Erfahrungen – negative wie positive – mit dir teilen. Denn am Ende fand ich tatsächlich ein paar Dinge, die geholfen haben.
Schlafprobleme – eine häufige Begleiterscheinung bei Endometriose und Hormontherapien
Der Anfang oder „Gebt mir jedes Mittelchen!“
Wie ich schon in meinem Beitrag über die Hormontherapie beschrieben habe, hatte ich während der Behandlung die schlimmsten Schlafstörungen meines Lebens. Über Monate schlief ich kaum und war nur noch ein Schatten meiner selbst. In der Zeit nahm ich jedes Mittel, das ich in der Apotheke hierzu bekommen konnte. Hier meine persönlichen Erfahrungen:
Ich nahm zeitweise verschreibungspflichtige Schlafmittel wie Zopiclon. Der starke Hangover-Effekt am nächsten Tag und das Risiko einer Abhängigkeit machten das aber zu keiner nachhaltigen Lösung.
Pflanzliche Mittel wie Lasea® (beinhaltet Lavendelöl) oder Oyono® (mit Lavendel, Baldrian und Melatonin) hatten ehrlich gesagt bei mir überhaupt keine Wirkung.
Ein paar Monate lang nahm ich hochdosiertes Melatonin, bekam davon aber so intensive Albträume, dass dies auch keinen erholsamen Schlaf förderte.
Zuerst versuchte ich meinen Schlaf mit Heilkräutern, wie Lavendel, zu unterstützen
Irgendwann verschrieb mir meine damalige Hausärztin eine niedrige Dosis Amitriptylin – ein Antidepressivum, das auch im Notfall bei Schlafstörungen helfen kann. Dieses nahm ich ein auch ein paar Monate, aber dadurch verbesserten sich weder Schlafdauer noch Schlafqualität.
Etwas besser lief es für einige Monate mit dem Neuroleptikum Promethazin. Schon nach wenigen Tagen verhalf es mir zu einer Art „Knock-out-Schlaf“. Ich schaffte manchmal 5–6 Stunden am Stück – was für mich damals ein Genuss war. Der Schlaf fühlte sich allerdings wenig natürlich an: Ich träumte nichts, konnte mich beim Aufwachen kaum orientieren und hatte Probleme, die Augen zu öffnen. Dennoch nahm ich Promethazin etwa ein halbes Jahr lang, weil es wenigstens ein wenig half.
Irgendwann wollte ich allerdings nicht mehr auf solch starkes Medikamente gegen Schlafstörungen angewiesen sein und begann, die Dosierung langsam auszuschleichen. Das Absetzen entpuppte sich als ziemlich schwierig, da sich mein Schlaf schon bei der kleinsten Reduzierung der Dosis sofort wieder verschlechterte. Trotzdem wollte ich nachhaltigere Lösungen finden und machte mich weiter auf die Suche.
Meine Schlafhilfen
Neben Medikamente und Mitteln habe ich in den letzten Jahren auch allerlei „Gadgets“ für einen besseren Schlaf getestet.
Geräuschempfindlichkeit:
Seit der Hormontherapie bin ich extrem geräuschempfindlich im Schlaf und habe entsprechend viele Ohrstöpsel ausprobiert. Hier ein kleiner Rundumschlag meiner Erfahrung:
Zuerst testete ich die wiederverwendbaren Silikon-Ohrstöpsel „Sleep Soft“ von der Marke Alpine. Diese sind für Seitenschläfer wie mich entwickelt worden und dämpfen tatsächlich recht gut die Umgebungsgeräusche aus. Bequem sind sie auch. Allerdings ragt eine kleine Silikon-Antenne aus der Ohrmuschel, die bei jeder Kopfbewegung gegen das Kopfkissen reibt und das Geräusch sogar verstärkt. Für unruhige Schläfer also eher ungeeignet.
Beim Hörgeräteakustiker ließ ich mir maßgefertigte „Schlafhilfen“ aus Silikon anpassen. Sie blenden tatsächlich fast jedes Geräusch aus – eine super (wenn auch teure) Sache. Leider merkte ich nach einigen Nächten, dass sie zum Seitenschlafen zu hart waren und mein Ohr morgens schmerzte.
Am besten helfen mir seit Langem die „Gute Nacht“-Schlafstöpsel von Ohropax®. Sie sind auf Dauer zwar nicht ganz billig, drücken aber auch bei mir als Seitenschläferin nicht im Ohr und blenden den meisten Geräusche aus, – nur mein Wecker schafft es noch durch.
Lichtempfindlichkeit:
Durch meinen leichten Schlaf wache ich schon bei minimalem Licht auf. Besonders im Sommer brachte mich das frühe Tageslicht oft zu früh aus dem Schlaf.
Was mir hier geholfen hat:
Schlafmasken
Nach zahlreichen Fehlkäufen wurde die Manta Pro Maske mein Favorit. Sie ist bequem, lichtdicht und für Seitenschläfer geeignet – leider hochpreisig, aber sehr effektiv.Gedämpftes Licht im Bad
Das Anbringen von gedämpften Licht mit Bewegungssensoren im Bad. So wurde ich nachts nicht mehr jedes Mal hellwach, wenn ich ins Bad musste, und konnte viel leichter wieder einschlafen.Lichtundurchlässige Gardinen
(Hätte ich sie mir doch bloß früher gekauft!)
Für mich besser als jede Schlafmaske, weil sie weder verrutschen noch drücken können.
Schlafmasken waren eine Zeit lang für mich unverzichtbar
Schlaftherapie
Nach einem Besuch im Schlaflabor dieses Jahr habe ich ein Hilfsmittel an die Hand bekommen, das mir tatsächlich enorm geholfen hat: eine App mit einem Schlaftrainingskurs.
Ich bekam die Schlaf-App auf Rezept von der Schlafmedizinerin im Schlaflabor und lernte über drei Monate hinweg ganz neue Ansätze im Umgang mit Schlafproblemen kennen.
Neben dem täglichen Tracken von Schlaf und Energie ging es in der App um Themen wie Bettzeitrestriktion, Stimuluskontrolle, Kraftgeber, Tipps gegen Grübeln und vieles mehr.
Vor allem die Bettzeitrestriktion hat bei mir nach konsequenter Anwendung Wirkung gezeigt. Vereinfacht gesagt verkürzt man dabei zunächst drastisch die Zeit, die man im Bett verbringt, um mehr Schlafdruck aufzubauen. Auch wenn man zu Beginn sehr wenig schläft, soll sich so langfristig die Schlafqualität verbessern. Nach und nach wird das Schlaffenster dann vorsichtig verlängert.
Solche Schlaf-Apps auf Rezept (sogenannte digitale Gesundheitsanwendungen, „DiGAs“) gibt es inzwischen in Deutschland von verschiedenen Anbietern (z. B. somnio, hellobetter) – und ich kann sie wirklich empfehlen.
Schlafhygiene
Ein weiterer Punkt, der mir bei Schlafproblemen ein wenig das Gefühl von Kontrolle zurückgegeben hat, ist das Einhalten einer gewissen „Schlafhygiene“. Das bedeutet, für eine schlaffördernde Umgebung zu sorgen und bestimmte Verhaltensweisen beizubehalten.
Mir helfen persönlich:
abendliches Lüften des Schlafzimmers
ein kleines Abendritual mit Dehnübungen nach dem Zähneputzen
das Hören einer Einschlafgeschichte
ein visuell „ruhiges“ Schlafzimmer
die Beschränkung der Handynutzung bis 20:30 Uhr
keine koffeinhaltigen Getränke nach 14 Uhr
Ein festes Abendritual kann helfen zur Ruhe zu finden
Unter dem Strich hat mir in den letzten Jahren tatsächlich nichts so sehr geholfen wie:
das Schlaftraining mit der App
lichtundurchlässige Gardinen
abendliche Rituale und Schlafhygiene, um den Kopf auf das Schlafen vorzubereiten
Schlafmittel nehme ich inzwischen nicht mehr regelmäßig. Mein Schlaf ist zwar längst nicht so stabil wie vor Beginn der Hormontherapie, aber durch die genannten Veränderungen, nicht zuletzt durch das Schlaftraining, habe ich eine deutliche Verbesserung erreicht.
Vielleicht hat ja die ein oder andere Leserin ähnliche Probleme und kann aus meinen Erfahrungen etwas für sich mitnehmen.
Warum schreibe ich hier eigentlich über Schlafstörungen?
Leider gehören Schlafstörungen bzw. schlechter Schlaf zu den häufigen Begleitsymptomen bei Endometriose. Auch ohne Hormontherapie leiden viele Endometriose-Betroffene unter Schlafproblemen. Das zeigen verschiedene Studien, unter anderem eine Querschnittsstudie von 2024 (1) und eine Meta-Analyse aus demselben Jahr (2). Beide bestätigen, wie stark Schlafstörungen bei Endometriose auftreten können.
Und da mein Weg auf der Suche nach Lösungen inzwischen recht lang geworden ist, wollte ich ihn mit dir teilen. Wer weiß – vielleicht hilft dir ja der ein oder andere Ansatz weiter.
Transparenzhinweis:
Alle hier vorgestellten Produkte wurden von mir selbst gekauft. Ich erhalte keine Bezahlung, keine kostenlosen Testmuster und keine sonstigen Vorteile von Herstellern oder Händlern.
Meine Beiträge spiegeln ausschließlich meine persönliche Meinung und Erfahrung wider. Produktnamen und Marken werden nur zur eindeutigen Beschreibung der getesteten Artikel genannt.
Quellenangaben zu genannten Studien:
(1) Chaichian S, et al. BMC Women’s Health (2024).
https://doi.org/10.1186/s12905-024-03185-x
(2) Zhang Y, Liu H, Feng C, Yang Y, Cui L. Front Psychiatry (2024).
https://doi.org/10.3389/fpsyt.2024.1405320